Landleben

Menschen

Zwischen Kunst und Kuchen

Zwischen Kunst und Kuchen

von Martina Zink

Erfahrungsbericht einer Marktveranstalterin. Da ich selbst gern kreativ arbeite und es in meinem Umfeld stets Menschen mit einem Hang zum Selbermachen gab, hatte ich schon immer den Traum von einem „eigenen“ Markt für das Kunsthandwerk, auf dem jeder seine selbsthergestellten Produkte präsentieren kann. Aber in einer kleinen Dreizimmerwohnung ohne Garten am Stadtrand von Köln bleibt so ein Markt erst einmal ein Traum.

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Was für ein Glück, dass es meine Familie und mich dann im Dezember 2010 aufs Land nach Friedland verschlagen hat. Nach dem Umzug in einen alten Mühlenkomplex mit großem und außergewöhnlichem Grundstück im Ortsteil Niedergandern waren die erforderlichen äußeren Umstände nun endlich gegeben. Als ich im August 2011 einen kleinen Kunsthandwerkermarkt in einem schönen, privaten Garten besuchte, ließ mich der Gedanke nicht mehr los, nun endlich selbst einen solchen Markt zu veranstalten. Und plötzlich ging alles ganz schnell

Mit dem Gedanken, dass ich sowieso an der ersten Hürde scheitern würde, saß ich wenige Tage später mit meinem Mann bei der Gemeinde und erkundigte mich nach Genehmigungen, Auflagen und Richtlinien – und musste feststellen, dass das die kleinste Hürde war. Wenn man neu in einer Gemeinde ist, hat man es schwer, Leute für ein solches Projekt zu gewinnen. Woher sollte ich also überhaupt Aussteller kriegen? Ich fragte einfach alle Bekannten, die ich bis dahin in der Gemeinde hatte – Nachbarn, die Erzieherinnen aus der Krippe meiner Tochter etc., ob sie jemanden kennen, der selbst etwas herstellt und dies vielleicht auf einem Markt präsentieren würde. Ich holte mir bei einer Veranstalterin kleiner, privater Märkte ein paar Tipps bezüglich Werbung, Teilnehmer und Planung. Um Aussteller für unseren Markt zu gewinnen – ich konnte ja schlecht mit meinem Mann, seinen selbstgemachten Likören und ein paar Kleinigkeiten, die ich genäht hatte, allein auf dem Markt stehen – wollte ich anfangs nicht mal eine Standgebühr nehmen. Aber aufgrund einiger weiterer wertvoller Hinweise einer markterfahrenen Ausstellerin entschied ich mich, als „Standgebühr“ pro Teilnehmer wenigstens einen Kuchen für unser geplantes Kuchenbüfett zu nehmen, um dieses nicht auch noch alleine zu bewältigen.

Man darf sich nichts vormachen – wenn man das erste Mal einen Markt veranstaltet und das Ganze auch noch Anfang Oktober im eigenen Garten plant, reißen sich die Leute nicht gerade darum, mitzumachen. Es hagelte Absagen aus den unterschiedlichsten Gründen. Dennoch fand ich letztendlich einige tolle Aussteller, die ich zum Glück nicht alle mühsam zur Teilnahme überreden musste. Ich war wirklich froh. Nun konnte endlich das Übrige in Angriff genommen werden: Werbung, Standplatzverteilung, Planung des Kuchenbüfetts, Einkäufe etc. Obwohl es sehr stressig war, machte es mir riesigen Spaß, alles zu organisieren und zu planen. Dennoch waren die Angst vor schlechtem Wetter, die Skepsis, ob auch genügend Besucher kommen werden, und eine innere Unruhe, irgendetwas nicht bedacht zu haben, meine ständigen Begleiter.

Der Tag X kam und überrollte uns! Den Markt hatten wir von 11 bis 18 Uhr angesetzt. Wir waren mit den letzten Vorbereitungen noch nicht ganz fertig, da standen um 10 vor 11 schon die ersten Besucher auf unserem Hof. Seitdem hatten wir keine ruhige Minute mehr. Unser Kuchenbüfett mit über zwanzig Kuchen und einigen herzhaften Kleinigkeiten war noch vor der eigentlichen Kaffeezeit restlos leergefegt. Dennoch blieben dank des hervorragenden Wetters und guter Stimmung viele Besucher stundenlang. Mit einem solchen Ansturm hatten wir nicht gerechnet. Auch alle Teilnehmer waren überrascht und begeistert. Nach gefühlten zwei Stunden – in der Realität war es längst 18 Uhr – war dann alles vorbei

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Die bis heute anhaltende positive Resonanz von allen Seiten zeigte mir, dass wir mit unserem Markt eine gute und interessante Veranstaltung in der Gemeinde geschaffen haben, an der wir festhalten sollten. Deshalb versuchen wir am 26.05.2012 erneut unser Glück und veranstalten den zweiten Mühlenmarkt in Niedergandern. Diesmal war es einfacher, Aussteller für unseren Markt zu gewinnen – viele fragten uns von sich aus, ob sie mitmachen dürften. Zum Teil, weil sie selbst als Besucher auf dem ersten Markt gewesen waren, zum Teil aber auch, weil sie soviel Positives darüber gehört hatten. In Bezug auf die Organisation und Umsetzung haben wir viel dazugelernt. Dennoch kann man nie auf alles vorbereitet sein – jeder Markt wird anders sein als der vorherige. Ich bin schon gespannt, was diesmal daraus wird!