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Mariendistel

Mariendistel

von Tina Keil

Eine Distel ist jedem von uns schon mal begegnet. Eine Mariendistel hingegen wohl eher selten. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum und ist eine wunderschöne Pflanze, die an den Blättern unangenehm sticht, wenn man sie berührt. Der Name der Mariendistel kommt aus einer alten Legende. Die Legende besagt, dass Maria auf der Flucht nach Ägypten ihr Kind stillen wollte. Dabei fielen einige Tropfen der Muttermilch auf eine dieser Disteln. Daher, so heißt es, stammen die weißen Flecken und Streifen auf den Blättern der Distel. Die Pflanze wird zu heilmedizinischen Zwecken eingesetzt und wurde bereits im Mittelalter in deutschen Klostergärten angebaut.

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Bei der Distelpflanze handelt es sich um eine etwa 40-150 cm hohe Pflanze, die aufrecht steht und deren stachelige Blätter rosettenartig angeordnet sind. Die purpurfarbenen Blüten der Pflanze werden 5-8 cm breit und haben einen behaarten Blütenboden. Die Pflanze blüht zwischen Mai und August und wird im September bis Oktober gesammelt. Sie wird fast komplett verarbeitet. Die jungen Blätter können beispielsweise problemlos als Gemüse gegessen werden. Die Wurzeln sind ebenfalls essbar und schmecken leicht nach Artischocken, zubereitet werden sie wie Schwarzwurzeln. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Mariendistel dann als Heilpflanze erkannt.

Die Früchte der Mariendistel bestehen aus Silymarin, Flavonoiden, Öl und Eiweiß. Sie werden hauptsächlich bei Leber- und Gallenproblemen eingesetzt, sollen aber auch eine entkrampfende Wirkung auf das vegetative Nervensystem haben. Am wirksamsten sind hochkonzentrierte Trockenextrakte, die bei Leberschädigungen sogar Leben retten können. Sie stärken und schützen die Leber und helfen ihr, sich zu entgiften. Bei Pilzvergiftungen, beispielsweise durch den Knollenblätterpilz, wird die Mariendistel ebenfalls eingesetzt. Mit ihrer entgiftenden Wirkung kann die Pflanze dem Patienten das Leben retten. Sie soll sogar bei Malaria und Migräne helfen und unterstützt, ebenso wie der Bockshornklee, Frauen beim Milcheinschuss.

Aus den Extrakten kann ein Tee hergestellt werden, der bei Verdauungsproblemen helfen kann. Dabei werden zwei Teelöffel Mariendistelfrüchte mit heißem Wasser übergossen. Der Tee sollte dann 10 Minuten ziehen. Bei übermäßigem Verzehr wirkt die Mariendistel allerdings abführend, drei bis vier Tassen Tee pro Tag sind also völlig ausreichend. Auch in der Homöopathie wird die Mariendistel, oder Carduus marianus, eingesetzt. Dabei findet sie Anwendung bei Druck im Oberbauch oder Gelbsucht. Auch Hämorrhoiden und Krampfadern sollen durch die Mariendistel positiv beeinflusst werden.

Dass die Mariendistel bei toxischen Leberschäden und Leberzirrhose hilft, wurde schon in diversen klinischen Studien nachgewiesen. Die Anwendung wird von der WHO aber nicht befürwortet, da zu wenige Daten vorliegen, um die Mariendistel verlässlich an Hepatitis-Patienten anwenden zu können. Wer seine Leber gesund erhalten und beim Giftabbau unterstützen möchte, dem stehen dazu jede Menge Naturarzneien zur Verfügung, die in der Apotheke erhältlich sind. Die Leberzellen werden geschützt und ihre Regeneration beschleunigt.

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Heimisch ist die Mariendistel auf den Kanarischen Inseln, in Nord- und Südamerika sowie in Südaustralien. In Europa wird sie kultiviert. Hier ist sie in Form von Fertigpräparaten erhältlich, als Trockenextrakt, Kapsel, Dragee oder Tablette. Die Präparate sind jeweils mit unterschiedlichen Silymarin-Mengen ausgestattet und müssen je nach Art der Erkrankung angepasst werden. Bei Leberproblemen sollte zuerst eine höhere Dosis gewählt werden, die dann langsam abgebaut wird. Einen Arzt ersetzt die Mariendistel aber nicht – das Präparat sollte bei schweren Erkrankungen nur in Abstimmung mit dem Arzt zu sich genommen werden.