Landleben

Geländewagen

Geländewagen vs. SUV

Geländewagen vs. SUV

von N. N.

Was einen wirklichen Geländewagen ausmacht, ist für viele nicht ganz durchschaubar. Es gibt eine Reihe von PKW, die sich als Geländewagen ausweisen und hierfür das Kürzel SUV bemühen. Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, hier etwas mehr Klarheit zu schaffen. Sie erfahren in der gebotenen Kürze einiges über den Geländewagenbegriff, dann über Kriterien, wann man ein Auto wirklich als Geländewagen bezeichnen kann und wie sich ein solches Fahrzeug von Autos mit SUV-Bezeichnung unterscheidet. Schließlich möchte ich Ihnen ein Modellbeispiel eines „echten“ Geländewagens vorstellen und zuletzt meine Meinung darüber äußern, wann der Kauf eines echten Geländewagens geboten erscheint.

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Entwicklung von Geländewagen – ein Blick zurück

Geländegängige Fahrzeuge waren zu Beginn der Automobilgeschichte deshalb schon notwenig, weil es Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaum asphaltierte und damit von Kraftfahrzeugen späterer Entwicklung befahrbare Straßen beziehungsweise Wege gab. Die ersten in Spezialherstellung gefertigten Geländewagen waren sogenannte „Halbkettenfahrzeuge“, die von André Citroën in den 1920ern gebaut wurden. Sie enthielten zwar herkömmliche Räder, hatten aber ein Kettengestell, das an einen Panzer erinnerte. Die vorne befindlichen Räder wurden normal gelenkt, die Hinterachsen waren aber durch ein Kettenfahrgestell ersetzt. Heute werden Geländewagen unter anderem häufig in den Armeen, von Förstern und Jägern in den Wäldern, aber auch in landwirtschaftlichen Gebieten oder in Gebieten, in denen wenig Infrastruktur besteht, genutzt. Darüber hinaus werden Geländewagen natürlich im Offroad-Motorsport eingesetzt.

Wann kann man von einem echten Geländewagen sprechen – und wie ist das mit den „SUVs“?

Geländewagen werden heute für kaum befahrbare und unbefestigte Wege und Straßen gebraucht. Sie müssen daher äußerst kräftig und robust hergestellt und geländegängig sein; das heißt, dass sie einen ziemlich hohen Abstand zum Boden aufweisen müssen. Darüber hinaus sollte die Karosserie so gebaut sein, dass auch bei sehr steilen Anstiegen kein Aufsetzen passiert. Schutzverkleidungen am unteren Boden müssen wichtige Teile, wie zum Beispiel den Tank, abdecken. Allradantrieb und kurze Geländeuntersetzung sind für echte Geländewagen unverzichtbar, ebenso eingebaute Differentialsperren und stark profilierte Reifen. Das Fahrwerk sollte ein hohes Maß an Verschränkungsfähigkeit besitzen. Darüber hinaus sind Geländewagen zusätzlich mit einem widerstandsfähigen Leiter- beziehungsweise Kastenrahmen mit eigens daraufgesetzter Karosserie ausgerüstet.

Geländefahrzeuge werden daher (auch im Vergleich untereinander) hinsichtlich ihrer Geländegängigkeit insbesondere an der Fähigkeit gemessen, Steigerungen zu meistern, an ihrer Bodenfreiheit, dem Rampen- und Kippwinkel sowie an der Verschränkungsfähigkeit. Zudem sind die Fahrzeugstabilität hinsichtlich Böschungen (Böschungwinkel) und die sogenannte Wattiefe, die darüber Auskunft gibt, wie tief ein Geländewagen durchs Wasser fahren kann, maßgebende Kriterien.

Geländewagen sind auch europäischen Rechtsnormen unterworfen. Sie werden den KFZ der Klasse N oder M zugerechnet und können bis zu einem Gewicht von zwei Tonnen gebaut werden. Im europäischen Recht wird definiert, dass bei Geländefahrzeugen neben Bodenfreiheit und Überhangwinkel der Karosserie ein Allradantrieb vorhanden sein muss und mindestens eine Differentialsperre zur Geländewagenausrüstung gehört. In Deutschland können nach der gegenwärtigen Rechtslage Geländewagen ein bis zu eineinhalbfaches Gewicht des Anhängergewichts ziehen (3,5 t maximal).

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Auf keinen Fall sollte man SUV-Wagen (Sports Utility Vehicles) mit echten Geländewagen verwechseln. SUV-Autos weisen nur einige Designmerkmale, manchmal auch ähnliche Konstruktionseigenschaften auf. Sie sind aber niemals hinsichtlich der Geländegängigkeit, Stabilität und Widerstandsfähigkeit im Gelände mit echten Geländefahrzeugen zu vergleichen. Bei SUV-Fahrzeugen fehlen darüber hinaus Differentialsperren und Geländeuntersetzung, und sie werden häufig ohne Allradantrieb geliefert.

Geländewagen und Modelle

Modelle unter den echten Geländewagen sind unter anderem der Jeep Wrangler oder die Modelle der Mercedes G-Klasse und der Land Rover Discovery. Als Beispiel für ein Geländewagenmodell greifen wir die Mercedes G-Reihe heraus: Bei diesen Wagen, die seit 1979 gebaut und in Graz bei der Firma Magna Steyr hergestellt wird, handelt es sich um Geländefahrzeuge, die anfangs weniger für den Zivilgebrauch gedacht waren. Die Fahrzeuge waren von Beginn an geländetauglich angelegt. Sie enthielten einen Basis-Leiterrahmen und boten für auch schwierige Geländefahrten starre Achsen und besonders lange Federwege. Ausgerüstet mit einer hohen Bodenfreiheit, waren sie immer mit einer zuschaltbaren Differentialsperre versehen. Das Modell erfuhr nicht nur von den üblichen Abnehmern, wie etwa den Offroad-Freunden und Jägern, Zuspruch, sondern auch von „normalen“ Fahrern. Der „Wolf“, eine Version der G-Reihe, wird im Übrigen beim Militär, Feuerwehren und anderen genutzt.

Wann sollte man sich einen Geländewagen zulegen?

Wie schon oben gesagt, ist ein echter Geländewagen dann zu empfehlen, wenn Sie zum Beispiel aus beruflichen Gründen, beispielsweise als Jäger, Förster in Waldgebieten oder als Landwirt, unterwegs sind. Auch wenn Sie in eher abgeschiedenen Gebieten auf dem Land mit wenig gut befahrbaren Straßen und Wegen wohnen, kann ein echter Geländewagen wirklich hilfreich sein. Es gibt aber auch Liebhaber von Geländefahrzeugen und Offroader, die einen solchen Wagen einfach nur gerne fahren beziehungsweise im Geländewagen ein Statussymbol sehen oder aus Sicherheitsgründen ein derartiges Fahrzeug fahren möchten. Sie sollten aber in einem solchen Fall daran denken, dass der Spritverbrauch ziemlich hoch werden dürfte und dass Sie manche Verkehrsteilnehmer nicht gerade immer mit Wohlwollen betrachten. Die wirklichen Geländewagenfans und Offroader werden sich davon bestimmt nicht schrecken lassen und ihr Fahrzeug lieben, weil sie wissen, dass ein solcher Wagen ihren Fahrgenuss erhöht und ihre Abenteuerlust befriedigen kann. Für die anderen, die sich davon nicht mitreißen lassen und denen es egal ist, ob sie in einem echten Geländewagen fahren, bleibt als Ausweg ein SUV-Fahrzeug. Es sieht einem echten Geländewagen ähnlich und hat zumindest ansatzweise einige geländetaugliche Komponenten.